Kurz nach der Grenze zu Bulgarien stellen wir uns bei Krapets etwas erhöht an den Strand. Wir müssen uns mal wieder ein bisschen erholen, gehen schwimmen, spazieren am Strand entlang und fahren mit dem Rad in die nächste Stadt Shabla zum Geldautomaten. Um die Hauptstraße mit den türkischen Lkw-Fahrern zu vermeiden, versuchen wir es über Umwege auf Feldwegen. Aber die sind mehr Feld als Weg, zurück bevorzugen wir dann doch Teer! Auf dem Weg zum nächsten Strand kommen wir durch Kavarna, wo wir uns auf dem Markt mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Am Heros-Beach bei Topola finden wir einen kleinen Parkplatz nur wenige Meter runter zum Schwarzen Meer. Das Wasser ist glasklar und hat laut meinem Bratenthermometer 20°, also alles bestens, wenn wir nur einen Sonnenschirm hätten! Aber der Lkw schmeißt ja meist genug Schatten. Die Abende verbringen wir in einer netten Strandbar mit kaltem Weißwein und Bier.
Jetzt geht es weg vom Meer mit einem kurzen Abstecher zum Felsenkloster Aladija, wo man am Parkplatz bestes Wasser bunkern kann, zuerst auf übler Schlaglochstraße, dann auf Autobahn nach Prowadia. Nun führt uns eine sehr steile und enge Schotterstraße hinauf zur Ovech-Festung. Da sind wir natürlich die einzigen! Am frühen Abend steigen wir hinauf und genießen die Aussicht zwischen Steingräbern, Zisternen und alten Karrenspuren.
Unser nächstes Ziel ist das Hochplateau über Shumen, wo das schon von weitem sichtbare „Monument zur Gründung des bulgarischen Staates“ steht. Ein gewaltiger Betonbau mit riesigen, groben Steinfiguren, Köpfen, Pferden, Inschriften und dunkle, große Mosaiken wegen der Christianisierung. Muss man mal gesehen haben. Allerdings ist es so heiß, dass wir nur von einem Schatten in den nächsten flüchten.
An einem See werde ich von einer älteren Dame zum Kirschenpflücken in ihrem Garten eingeladen. Sie spricht ganz gut deutsch, weil sie in der Rente fünf Jahre in Deutschland als Pflegerin gearbeitet hat. Mit zwei großen Schüsseln Kirschen und einem guten Gespräch werde ich herzlich von ihr verabschiedet. In Velika Tarnovo, der alten Hauptstadt, laufen wir durch die Stadt auf der Suche nach Brot, werden aber nicht fündig und kehren stattdessen in einer Bar ein, wo es ein eiskaltes Bier und einen warmen Wein gibt. Tja, das ist heute nichts, aber wir werden später noch mit einer netten Lichtshow an der Festung belohnt!
Durch schöne Berglandschaft fahren wir rauf auf den Shipka-Pass, trinken schnell einen Cappuccino, aber hinauf zum Monument ist es uns zu heiß. Macht nichts, wir waren eh schon mal da. Und der nächste Betonklotz wartet ja schon auf uns. Auf dem Gipfel des Buzludzha steht das Ufo-ähnliche Riesenmonument der Kommunisten. Der Zerfall ist sehr deutlich zu sehen, Zutritt ist verboten, was auch von einem Posten überwacht wird. Am Abend treffen noch zwei Reisepaare ein, Italiener, die aus Indien kommen und Birgit und Max aus Bayern, die im Iran waren. Es wird ein netter Abend! Hier oben ist die Hitze besser verträglich und wir bleiben noch, machen Spaziergänge und lesen. Wir bekommen noch ein spektakuläres Gewitter mit extremem Starkregen und einem heftig schaukelndem Lkw. Ich bin froh, als es vorbei ist!
Über Kazanlak fahren wir durchs Rosental, das uns aber enttäuscht. Denn die wenig verbliebenen Rosenfelder sind schon fast verblüht und der Rest sind wie immer Getreide- oder Sonnenblumenfelder. An einem Fluss, ca, 30 km vor Plovdiv, bleiben wir über Nacht, aber die 30 cm Wasser taugen nicht wirklich zum Abkühlen. Am nächsten Vormittag regnet es, aber dadurch wird es nur schwül. In Plovdiv hat sich in den letzten acht Jahren nicht viel verändert. Es gefällt uns noch genauso gut, die Freßmeile hat sich vergrößert. Aber in der Fußgängerzone gibt es so gut wie keine Leerstände, trotz der Malls außen rum.
Die extreme Hitze macht uns immer mehr zu schaffen, so dass wir kaum was unternehmen. Die Erdpyramiden von Stob nur von unten und zum Rila-Kloster auch mit dem Auto, nicht wie geplant mit dem Rad. Ja, da sind wir nicht allein, aber die Masse verläuft sich und das Kloster ist einfach traumhaft schön. Das WC ist allerdings ein olfaktorisches Erlebnis! Die Mekitsa (Auszogne) mit Zucker und noch heiß gegessen entschädigen dafür. Bis zur rumänischen Grenze suchen wir uns immer Seen zum Übernachten, so können wir uns wenigstens beim Baden abkühlen.
Eine lange heiße Fahrt durch riesige Getreidefelder und den ewig langen Dörfern führt uns nach Craiova, denn wir brauchen unbedingt einen Waschsalon. Schön kühl da drinnen! Den Lkw parken wir dann neben einem Fußballstadion und gehen am Abend noch in die Stadt zum Essen. Für mich gibt es Sarmale (rumänische Krautwickerl) mit saurer Sahne und Kartoffeln. Sehr lecker! Zu einem Absacker noch in eine Kneipe mit Wasserventilatoren! Das ist dann einigermaßen verträglich. Es ist 23:00 und es hat noch immer 30°.
Nördlich von Hunedoara befinden sich die „Giardini di Zoe“, ein parkähnlicher angelegter Garten auf einem kupierten Gelände, der von einem Italiener gebaut wurde und sich so seine italienische Heimat nahebrachte. Statuen, Springbrunnen, mit Buchs gesäumte Pfade, Rosen, viele Sommerblüher, einfach sehr schön! Im kleinen Café gibt es für uns ein kühles Eis.
In Arad kapitulieren wir dann vollends vor der Hitze, flüchten in der wohl schönen Stadt mit ihren Prachtbauten in diverse Cafés, ein Thermometer zeigt 41° an. Erträglich wird es erst am Stadtrand auf einem Klosterparkplatz, nachdem ein Gewitter mit ordentlich Regen niedergeht. Überall ist Stromausfall, nur bei den Hubers nicht!
Bei Borş, nähe der ungarischen Grenze, finden wir noch ein Plätzchen an einem Fluss zum Erholen. Mir hat es die abenteuerliche Hängebrücke angetan, Wolfgang beobachtet die diversen Möglichkeiten der Flussquerung, zu Fuß, Huckepack, mit Pferdekarren.
Nun wieder schnellstmögliche Ungarndurchquerung und wieder in die Slowakei. Diesmal führt uns der Weg durch die niedere Tatra, über kleine Pässe und durch schmucke Dörfer. Doch wir wollen an den Mikulasc-Stausee. Endlich wieder Wasser. Um den radeln wir dann großzügig rum, entdecken noch mal eine Artikularkirche, noch schöner als die in Hronsek und ergattern in einer Marina ein sauteures Steckerleis. Leider habe ich mir beim Baden im See einen spitzen Stein eingetreten. Ich habe ihn zwar rausoperiert, kann aber nicht auftreten. Somit fällt die Stadtbesichtigung von Kromeriŝž aus und wir radeln stattdessen an der Moravia entlang. Bei einem kleinen Kiosk gibt es sehr gute, selbst gemachte Erdbeerlimonade!
Heute haben wir die längste Fahrstrecke dieser Reise: 275 km! Nur ein Stopp zum Baden und dann auf den bekannten Platz in Písek bei den Sportstätten. Von da ist es auch nur ein Katzensprung auf die Halbinsel in der Otava, wo es einen netten Biergarten gibt. Und dann folgt die heißeste Nacht der Reise: Wolfgang verbringt sie auf der Treppe draußen in der Hoffnung auf einen Luftzug. Eigentlich haben wir nur mehr 115 km nach Hause, aber wir machen heute noch die letzte Radtour vorbei an den vielen Seen und durch die hübschen Dörfer, auch der Biergarten muss noch mal besucht werden, bevor wir morgen dann endgültig heimfahren!
Kurzes Fazit: Es hat uns sehr gut gefallen, wir haben viele neue Orte und Sachen entdeckt, aber auch bekanntes. In den besuchten Ländern – bis auf Ungarn – kann man sich sehr gut versorgen, lecker und preiswert Essen gehen und vor allem Trinken. Die Landschaft ist überall toll, klar gibt es Industrien, aber da muss man ja nicht bleiben und das Müllproblem hat man weitgehend im Griff. Freistehen ist gar kein Problem , wir waren nicht einmal auf einem Campingplatz, sog. Stellplätze gibt es eh nicht. Wir können es nur empfehlen!
Zum Schlaf Nachholen bleiben wir noch in den Bergen und entspannen muss man ja auch mal. Weiter geht es über eine Schnellstraße nach Fagarasch. Das ist aber weniger entspannend, denn die rumänischen Kamikazefahrer wollen es manchmal schon genau wissen. Klar, wir sind mit einer Reisegeschwindigkeit von maximal 70 Km/h nicht die schnellsten, ich finde, die jungen Burschen überschätzen ihre Autos! In den langgezogenen Straßendörfern haben wir einen guten Einblick in die Höfe. Manche ganz ordentlich , teils mit Rasen, teils mit intensivem Gemüseanbau, aber oft schaut es auch aus wie auf der Müllhalde. In manchen Dörfern sind die Roma recht stark vertreten, das merkt man zum einen daran, dass wir viele Frauen mit langen, bunten Röcken, schwarzen Haaren und Kopftüchern und immer sehr selbstsicher mit ihren Kindern auf den Straßen sehen und leider auch an den ärmlichen, zusammengeschusterten Buden mit viel Abfall darum herum an den Dorfrändern. Die Festung in Fagarasch ist geschlossen, so genießen wir die Sonne auf einer Parkbank, bevor wir weiter nach Sinca Veche fahren, wo es zum einen ein Höhlenkloster zu besichtigen gibt und zum anderen einen tollen Übernachtungsplatz oberhalb auf einem Hügel. Rund um das Kloster ist alles frisch geharkt und gekehrt. Über das Entstehungsdatum wird noch gefeilscht, aber die Mehrheit denkt so im 18. Jh. Außer uns schauen sich noch ein paar ganz Gläubige die zwei, drei Kammern im Berg an, dazu eine heilige Quelle und am Schluss noch das Nonnenkloster oberhalb der Kirche. Ganz toll ist aber, der riesige, rote Mond bei unserem Platz!
So gegen Mittag erreichen wir die Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien. Ich bin schon etwas wehmütig, denn Rumänien hat mir echt gut gefallen. Der rumänische Beamte hat noch etwas gemeckert, von wegen wir hätten die falsche Vignette und wir sollen doch noch was nachbezahlen. Aber Wolfgang ist stur geblieben und so durften wir dann nur die 12 € Brückenmaut über die Donau bezahlen. Doch so richtig unverschämt finde ich dann die 28 € für die Vignette für sieben Tage! Da hoffe ich doch, dass sich Hr. Dobrindt mit seiner Maut in Deutschland durchsetzt und jeder Bulgare auch mal bei uns brennen muss. In der Grenzstadt Ruse finden wir dann endlich einen Waschsalon, wo wir unseren doch mittlerweile recht dicken Wäschesack abgeben. Um sechs Uhr können wir ihn wieder abholen. Wolfgang zirkelt mit dem Hiasl durch sehr enge, vollgeparkte Straßen um zum Ecomuseum zu gelangen. Dieses kleine, aber liebevoll gestaltete Museum klärt über den Lebensraum entlang der Donau auf einschließlich prähistorischen Funden z.B. Mammutknochen. Nach dem interessanten und kurzweiligen Besuch sind wir noch in die City gelaufen. Doch durch den eiskalten Wind haben mir nicht mal die schönen alten Häuser mit den schmiedeeisernen Balkonen so richtig gefallen. Wir sind einmal rauf und runter – es waren auch nicht viele Leute unterwegs – um dann in einem Café noch was zu trinken. Leider habe ich mich für Cappuccino entschieden. So was Ekliges habe ich ja noch nie vorgesetzt bekommen. Mir kommt es so vor, als ob die Kondensmilch aufgeschäumt haben! Igitt. Wenigstens ist die Wäsche fertig und wir finden an der Donau einen angenehmen Übernachtungsplatz.